Der grosse Kanton: Rise & Fall of the BRD
Internationales Symposium in Zürich
Freitag, 5. Dezember, 18:30–21:00 Uhr ETHZ, Hauptgebäude, HG E 7
Samstag, 6.Dezember, 10:00–20:00 Uhr Kunsthaus Zürich, Vortragssaal Moser-Bau 


ORGANISATION
Anselm Franke (Master Cultural Critique, Zürcher Hochschule der Künste), Emily Dische-Becker (Diaspora Alliance), Philip Ursprung (Institut für Geschichte und Theorie der Architektur, ETH Zürich) und medico international. Gehostet vom Kunsthaus Zürich, mit Unterstützung des Zentrums Künste und Kulturtheorie (ZKK), Zürich.

Projektassistenten: Alex Karapancsev (Master Cultural Critique, Zürcher Hochschule der Künste) und Simon Nougué (Institut für Geschichte und Theorie der Architektur, ETH Zürich).


REFERENT:INNEN
Schirin Amir Moazami, Patrick Bahners, Yossi Bartal, Tsafrir Cohen, Emily Dische-Becker, Diedrich Diederichsen, Sultan Doughan, Yassin Elhaj-Saleh, Anselm Franke, Behzad Karim-Khani, Sami Khatib, Teresa Koloma Beck, Yves Kugelmann, Sima Luipert, Daniel Marwecki, Katja Maurer, Eva Menasse, Dirk Moses, Ben Ratskoff, Nahed Samour, Eran Schaerf, Stefanie Schüler-Springorum, Danilo Scholz, Erhard Schüttpelz, Kerstin Stakemeier, Simon Strick, Ana Teixeira Pinto, Jakob Tanner, Adam Tooze, Hannah Tzuberi, Philip Ursprung, Eyal Weizman, und andere.


Die Nachkriegszeit ist endgültig zu Ende gegangen. Die Erfolgsgeschichte der BRD, die «Wiedergutwerdung der Deutschen», schien weltweit Orientierung zu bieten für eine ernsthafte Auseinandersetzung mit der eigenen Gewaltgeschichte. Historische Aufarbeitung, kritischer Diskurs und weltoffene Kulturinstitutionen (wie u.a. die Documenta in Kassel) sollten dazu beitragen, dass die BRD international als Modell auftreten konnte im Streben nach Freiheit und Demokratie. 

Die Ära der BRD endet nicht mit ihrer Auflösung, sondern, indem lange ausgehandelte Normen ausgehöhlt werden und der erinnerungspolitische Konsens zerbricht. Das Bekenntnis zur eigenen Gewaltgeschichte als Voraussetzung für ein offenes, dem Nationalismus endgültig abschwörendes und einwanderungsfreundliches Deutschland verschmilzt mit einer zunehmenden Ressentimentproduktion gegen Zuwander:innen – ihnen wird nun die Schuld an allem zugeschoben, was dem Selbstbild einer geläuterten Nation widerspricht. Gesellschaftlichem Dissens wird mit zunehmend autoritären Mitteln begegnet, als liesse sich eine liberale Demokratie auf illiberale Weise schützen und verteidigen. Das Völker- und das Menschenrecht, das aus den Ruinen des Weltkriegs, als Lehre von Auschwitz sowie der Entkolonisierung entstand, wird politischem Kalkül unterworfen. Die pluralistische Kultur des Landes wird einer sogenannten Staatsräson geopfert, die das postnazistische Selbstverständnis erschüttert und die bundesrepublikanische Gesellschaft tief spaltet.

Das interdisziplinäre Symposium «Der grosse Kanton: Rise & Fall of the BRD» fragt nach scharfen Analysen und gewagten Thesen, wie sie manchmal nur der Blick von Aussen zulässt. Jüngste Forschungsergebnisse zur gesellschaftlichen Funktion von Erinnerungskultur werden von renommierten Expert:innen aus Kultur und Medien am Beispiel der Entwicklungen und kulturellen Verwerfungen in der Bundesrepublik Deutschland präsentiert und debattiert. Historische und kulturkritische Analysen dürfen dabei auch auf polemische Spekulationen und künstlerische Reflexionen treffen, was in Deutschland nicht mehr ohne weiteres möglich ist.





AUFZEICHNUNGEN
Falls Sie die Veranstaltung verpasst haben oder sich bestimmte Teile noch einmal ansehen möchten, finden Sie hier die Videoaufzeichnungen der beiden Tage:

Freitag 5/12 :    Deutsch    English  
Samstag 6/12:     Deutsch    English